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Präparation der Hornhautkappe (Flap)LASIK-Operation
mit dem Femtosekunden-Laser

LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis) ist die
konsequente Weiterentwicklung einer bereits Ende der 40 ziger Jahre von Barraquer
realisierten lamellären Hornhautplastik, die durch den präzisen Abtrag
des Excimer-Lasers neue Möglichkeiten bei der Korrektur von
Brechkraftfehlern des Auges eröffnet. Sie zeichnet sich aus durch eine
schmerzfreie Abheilungsphase und schnelle Wiederherstellung der Sehkraft
sowie der Arbeitsfähigkeit.
Mit der LASIK, die im zellarmen Inneren
des Hornhautstromas durchgeführt wird, erreichen wir
bei einer Kurzsichtigkeit bis -10dpt -6dpt und bei Weitsichtigkeit
bis +5dpt stabilere Langzeitergebnisse, als sie mit der PRK
oder LASEK, die an der Hornhautoberfläche ausgeführt wird, erreicht
werden können.

Die LASIK ist ein von der "Kommission für
Refraktive Chirurgie" (KRC) der Deutschen Ophthalmologischen
Gesellschaft (DOG) seit 1999 wissenschaftlich anerkanntes operatives
Verfahren zur Beseitigung der Fehlsichtigkeit, dessen klinische Prüfung für
den Bereich der Kurzsichtigkeit bis -10dpt als abgeschlossen gilt. Dies
bedeutet, dass Vor- und Nachteile weitgehend bekannt sind und der
Anwendungsbereich klar umschrieben ist. Langzeitergebnisse ist ausgewertet
und Spätkomplikationen unwahrscheinlich.
Die Korrektur der Weitsichtigkeit bis +4dpt
sind möglich. Höhere Korrekturen im Plusbereich befinden sich jedoch noch im Stadium der klinischen Prüfung.
LASIK ist nach dem derzeitigen Wissenstand das
erfolgreichste und vielversprechendste operative Verfahren zu Beseitigung
der Kurzsichtigkeit und der leichten bis mittleren Weitsichtigkeit.
Bei dieser Operation wird mit Hilfe des Excimer-Lasers die Brechkraftveränderung
in den inneren Hornhautschichten durchgeführt. Hierbei wird mit dem von
Ruiz 1986 entwickelten automatisierten lamellierenden Mikrokeratom
eine etwa 160 Mikrometerdicke planparallele Hornhautkappe
präpariert und beiseite geklappt (siehe Abb.).
Seit Januar 2005 wird bei uns dieser
Teil der Operation mit dem Femtosekunden-Laser durchgeführt, der aufgrund
seiner Präzision und Sicherheit wesentlich dünnere Hornhautkappen von 100 Mikrometer ermöglicht.
Im 2.Teil der Operation kommt der Excimer-Laser zum Einsatz, der mit seinem hochenergetischen gebündelten Licht
den Krümmungsradius der Hornhaut durch Abtragen von Gewebe verändert
hat, wird die Hornhautkappe wie erstmals von Pallikaris 1986 und Buratto
beschrieben zurückgeklappt. Die zurückgelegte Hornhaut haftet nach
kurzem Antrocknen durch Adhäsion und heilt über die folgenden Wochen
und Monaten wieder fest ein.
Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse, die wir
seit 1994 mit dieser Technik sehen, werden bei uns fast 99% aller
Patienten, die einen Eingriff mit dem Excimer-Laser wünschen mit dieser
Technik versorgt. In den USA ist die LASIK nach der Operation des grauen
Stars inzwischen zur zweithäufigst ausgeführten Augenoperation geworden.
Sehr wahrscheinlich wurden im Jahre 2001 allein in den USA bis zu 2
Millionen Behandlungen dieser Art durchgeführt (Schätzung der American
Association of Ophthalmologists)
Weltweit sind bisher ca. 18 Millionen Menschen mit
dieser Operation behandelt worden.
Welchen Risiken setzt sich der Patient bei der
LASIK-Operation aus?
Prinzipiell birgt jede Manipulation am Auge, auch das
Tragen von Kontaktlinsen, das Risiko einer bleibenden nicht mehr rückgängig
machbaren organischen Veränderung, die die Sehschärfe nachhaltig
verschlechtert. Vergleicht man das Risiko eines Kontaktlinsenträgers mit
dem Risiko eines Patienten, der sich einer Excimer-Laseroperation
unterzieht, so tragen bei Patientengruppen ein Risiko von 2-3% für eine
bleibende Verminderung der besten korrigierten Sehschärfe.
Bei der LASIK-Operation unterscheiden wir
Komplikationen durch menschliches Versagen, durch technisches Versagen,
durch atypischen Operationsverlauf oder krankhaftem Heilungsverlauf. Bis
zu 4% aller Patienten die sich einen derartigen Eingriff bei sich
vornehmen lassen, müssen damit rechnen, einen Zweiteingriff durchführen
zu lassen, um das in Aussicht gestellte Ziel zu erreichen. Nicht immer
handelt es sich bei diesen Zweitoperationen um die Beseitigung einer
Komplikation, sondern um einen Eingriff, der eine Unterkorrektur, oder
eine ungewollte Überkorrektur beseitigen soll. Die optische Qualität ist
allerdings so vielversprechend, dass sich inzwischen auch Augenärzte und
Piloten mit der LASIK-Operation haben behandeln lassen (siehe
Erfahrungsbericht eines Augenarztes).
Komplikationen
- Menschliches Versagen findet seine Ursache in der
ungenügenden Routine oder Erfahrung des Operateurs, Fehler beim
Bedienen der Technik, Fehler beim Zusammenbau der Komponenten,
mangelhaftes Training der Assistenz, mangelhafte Bestimmung oder
versehentlich falsche Eingabe der Brechkraftwerte in die
Computersteuerung des Lasers, Verwechslung von Patientenkarteien.
Ernsthafte Komplikationen sind hierbei beschrieben worden.
- Technisches Versagen bedeutet z.B. Stromausfall
trotz Notstromaggregat, Fehler bei den Einzelkomponenten (z.B.
schadhaftes Keratommesser, Versagen des Keratoms z.B. durch
Saugungsverlust, ungleichmäßiger Laserabtrag durch Schaden an der
Optik oder dem Laserkopf, trotz der regelmäßigen medizintechnischen
Wartungen). Dies bedeutet Abbruch der Operation zum richtigen
Zeitpunkt, 3-4 Monate Wartezeit und erneute Operation. Die häufigste
durch den Laser bedingte irreguläre Abtragung bei den sog. "Broad
Beam Lasern" ist die "zentrale Insel" , die allerdings
in einigen Fällen spontan verschwindet, außerdem auch einem
2.Eingriff zugängig ist. Bei irregulären Abträgen mit den
sog. "Flying Spot Lasern" muss für den 2.Eingriff ein
individuelles Abtragsprofil per Computersimulation erarbeitet werden
und an besten durch eine sog. "Aberrometrie gesteuerte
Behandlung" in den Computer der Lasersteuerung eingespeist
werden.
- Ein atypischer Operationsablauf kann sich
bei einem extrem ängstlichen oder unkooperativen Patienten
ereignen, der den Anweisungen des
Operateurs oder Assistenz nicht Folge leistet, oder Folgeleisten
kann. Hier sind dezentrierte Laserabträge oder Verschiebungen der
Hornhautkappe beschrieben, mit der Konsequenz, dass der Patient sein
bestes erreichbares Operationsergebnis verfehlt. Ein geübtes
Operationsteam und moderne Technik des Lasers können solche
Komplikationen verhindern.
- Ein atypischer
Heilungsverlauf betrifft die Heilungsvorgänge, die im Wundspalt
zwischen Hornhautkappe und gelasertem Hornhautbett ablaufen. Dies kann
das Eindringen von oberflächlichen Epithelzellen in den Wundspalt
bedeuten oder eine Entzündungsreaktion, die im Wundspalt (Interface)
abläuft. Bekannt geworden ist hier eine sehr wahrscheinlich durch
autoimmunologische Prozesse in Gang gesetzte Entzündungsreaktion
("Sands of the Sahara"), die im Einzelfall nicht
vorhergesagt werden kann, da es sich um das Zusammenspiel mehrere
Faktoren handelt und wegen seines seltenen Auftretens sich der
systematischen Erforschung entzieht. Durch den schnellen Einsatz von
Cortisonhaltigen Augentropfen können schwere die Sehschärfe
bedrohende Verläufe jedoch meist verhindert werden.
- Zusammenfassend lässt sich jedoch feststellen,
dass bei all den beschriebenen Komplikationen im günstigsten Fall der
Patient die Sehminderung subjektiv nicht wahrnimmt, in einigen Fällen
die Verordnung einer zusätzlichen Sehhilfe (Brille oder Contactlinse)
zur Beseitigung der Sehstörung hinnehmen muss. In seltenen Einzelfällen
tritt ein bleibende Verminderung gewisser Sehfunktionen (erhöhte
Blendungsempfindlichkeit bei Tag und bei Nacht, reduzierte
Nachtfahrtauglichkeit, Verlust an bester korrigierter Sehschärfe)
ein. Bei Korrekturen bis -6,0dpt ist bei normaler Pupillenweite eine
durchaus dem Normalen vergleichbare Nachtsehschärfe erzielbar. Bei
Patienten die mehr als -6dpt korrigieren lassen sind Einbußen beim
Kontrastsehen und bei der Nachtsehschärfe regelmäßig nachweisbar,
wenngleich die Patienten dies oft nicht so empfinden, da auch die
Korrektur mit Kontaktlinsen und den entsprechenden Brillengläsern bei
diesen stark Fehlsichtigen auffällige und vom Normalen abweichende
Ergebnisse liefern. Glücklicherweise sind schwere und irreversible
Komplikationen bei der LASIK-Operation selten, weshalb der Siegeszug
dieser Operationsmethode weiterhin anhält. Viele der oben erwähnten
Komplikationen lassen sich vermeiden, wenn ein geübter Operateur mit
einem geschultem Team an einem regelmäßig gewarteten Laser
arbeitet.
Beidseitige
Simultane LASIK (sim-LASIK) am gleichen Operationstag:
Seit
September 2000 wird auch in Deutschland von der Kommission für Refraktive
Chirurgie die beidseitige (bilaterale) simultane LASIK am gleiche
Operationstag nicht mehr als ungerechtfertigt angesehen.
Der Patient
gewinnt hierdurch die Chance geringer Ausfallszeit in seiner beruflichen Tätigkeit
und muss insgesamt weniger Zeit aufwenden für die postoperative
Nachsorge. Die Therapie gestaltet sich für ihn einfacher, da in der Regel
beide Augen nach dem gleichen Schema nachbehandelt werden. Die schwierige
Zeit, in welcher der Patient den Verlust des Augengleichgewichts hinnehmen
muss, bis das Partnerauge operiert ist, tritt gar nicht erst auf.
Schwerwiegendes
Argument gegen ein derartiges Vorgehen ist allerdings die Tatsache, dass
beim Auftreten von Komplikationen technischer Art oder bei abnormer
Abheilungsphase beide Augen von einer Einschränkung der best korrigierten
Sehschärfe betroffen sein können.
In einer
Arbeit von Lin und Maloney (Am.J.Ophthalmol. (1999) 127:129-136) wird
berichtet, dass in 8,8% der von ihnen 1019 nachuntersuchten Augen Auffälligkeiten
an der Hornhautkappe aufgefallen seien, jedoch die für die Sehschärfe
nachteiligen Komplikationen extrem selten seien. Katastrophale
Komplikationen wie Eröffnung des Auges traten nicht auf.
Das Risiko
einer beiseitigen Komplikation bei einer gleichzeitigen LASIK an beiden
Augen kann annäherungsweise nur aus dem Risiko einer einseitigen
Behandlung erschlossen werden. Um eine aussagekräftige statistische
Wahrscheinlichkeit errechnen zu können, müsste allerdings eine Studie
von 30000 Behandlungen ausgewertet werden, da es sich um eine extrem
seltene Konstellation handelt. Beidseitige Komplikationen während der
Operation sind darüber hinaus mit Sicherheit erheblich seltener als die
rein rechnerisch ermittelte Komplikationsrate, da man davon ausgehen kann,
dass ein verantwortungsvoll handelnder Chirurg die Behandlung des
Partnerauge verschieben wird, falls am ersten Auge eine unerwartete
Komplikation während der Operation aufgetreten ist.
copyright Dr. Wolfgang Pfäffl
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